Passend zum Thema einer musikalischen Spurensuche zeigten sich das romanische Klosterdenkmal in Göllingen
und der Himmel voller Blau, Weiß bis Grau in allen Schattierungen: Wer heute zum Konzert mittelalterlicher Mu-
sik ins Kloster Göllingen kam, der konnte erahnen, was ihn erwartet, doch wissen und erleben gelang erst beim
Eintritt in die Atmosphäre der in neuem Licht erstrahlenden romanisch-maurischen Krypta.

Traditionell und unter Musikbegeisterten schon bekannt stellt der Förderverein in jedem Sommer ein besonderes Mu-
sikereignis der mittelalterlichen Musik in den Mittelpunkt der Konzertreihe. Dies insbesondere auch Dank der Unter-
stützung durch die Sparkassen-Kunststiftung der Kyffhäusersparkasse.
An diesem Sonntag spielte das Ensemble „nimmerserich" mit Musikern und Sängerinnen aus dem Leipziger Umfeld,
die sich auf diese Thematik spezialisiert haben, mittelalterliche Musiken auf originalen handgearbeiteten Musikinstru-
menten dieser Zeit zu interpretieren.

Und gerade auch hier begeben sich Musiker und begaben sich somit auch die Zuhören auf das Parkett gewisser Speku-
lation: Herr Robert Schuthard vom Ensemble machte es deutlich. Es gibt kaum aufgezeichnete Musiken aus dieser
Zeit. Selbst noch der Minnesang war mit der Weitergabe über Hören und Nachspielen nur zeitlich gesichert. Anhalts-
punkte fand man da eher in französischen Quellen mittelalterlicher Handschriften.
Das betrifft ebenso die Instrumente der Musik. Herr Martin Uhlig, Mitspieler im Ensemble und Anfertiger einer ganzen
Reihe dieser historischen Musikinstrumente, die in einer Vielzahl zum Erklingen kamen und nach dem Konzertvorge-
stellt wurden, da viele interessierte Zuhörennnen und Zuhörer mehr davon erfahren wollten, erläuterte dabei die
Schwierigkeit und fast detektivartige Erforschung von Spuren solcher Instrumente in alten Zeichnungen und initialen
alter Handschriften.

Mit den Musikerinnen Katharina Hölzer, Viola Barther und Kathrin Kläber, die verschiedentlich mit Spiel und Gesang
einstimmten, waren auch die beiden Herren in einem vielfältigen Wechselspiel der Musiken und Klänge eingebunden
in eine Zeitreise der verlorenen Klinge.

So waren sowohl geistliche als auch weltliche Lieder davon geprägt, hier sichere, vermutete und eigenkompositorische
Klangfolgen zu Erfassen und die Zuhörerinnen und Zuhörer in eine vergangene Zeit zu entführen.
Dies gelang in einzigartiger Weise. Die Vielzahl verschiedenster Klangwirkungen der Instrumente, ebenso die Darbie-
tung in den Stimmlagen und Tempi der Musiken verzauberte, wobei selbst der aufkommende heftige Sturm, der um
die alten Gemäuer fegte, in die Melodien einstimmte.

In der fast überfüllten Krypta ging die Zeitreise der Musik von der Gregorianik über das Marienlob aus alten Psaltem
aus Spanien, von der alten Schule der Notre Dame de Paris, Vertretern des deutschen und französischen Minnege-
sangs bis hin zu englischen Tänzen und Weisen.

Wie schnell verging doch diese Reise! Nach dem Dank an Musikerinnen und Musiker sowie die Besucher war längst
eine Zugabe fällig. Ein Lutherchoral bildete so den Abschluss dieses glanzvollen Konzertes.
Im Nachklang trat man hinaus aus den mittelalterlichen Gemäuern der Krypta in einen sommerhellen Nachmittag, der
mit der am Kloster hier obligatorischen Zeit des gemeinsamen Konzertimbiss ein langes Ende fand.
Begeisternd blieb zu sagen, das der verlorene Klang des Mittelalters durch das Ensemble nimmerserich im Kloster
Göllingen am Sonntag für Stunden wiedergefunden wurde.
Nimmersinch - übrigens gab sich das Ensemble den Namen nach Recherchen in alten Handschriften. Herr Schuchardt
sagt: „In einem Rechnungsbuch von 1326 haben wir unseren Namenspatron. gefunden: Spielmannpnimmerselich"
musizierte damals zum Weihnachtsfest in einem Tiroler Salzbergwerk. Sein Name und die Höhe seines Lohns sind
überliefert; wie seine Musik geklungen haben könnte, liegt eher im Bereich der Spekulation.
Nun: nimmerserich hat die gut einhundert Besucher am Kloster für eine gute Sommerstunde selig gemacht.

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