Gesellschaft der Freunde der Klosterruine Sankt Wigbert Göllingen e. V.

Ein Stück Stuck

 

Ein kleines Stück Stuck aus dem 12. Jahrhundert mit einem für diese Zeit typischen Palmettenornament, etwa 15-20 cm groß. Einst wohl Bestandteil eines Ausstattungsstückes der Klosterkirche, z. B. einer Chorschranke, wie man sie heute noch in der Abtei Brauweiler bewundern kann. In der neuen Ausstellung am Kloster Göllingen wird dieses Stück Stuck fehlen. Nach Auffassung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten fehlt damit ein „zentraler Fund zur Göllinger Klostergeschichte“. Dass das Stück Stuck fehlt, hat eine Geschichte:

Während des zweiten Weltkriegs haben Landarbeiter polnischer Herkunft, die auf der Domäne Göllingen beschäftigt waren, dieses Bruchstück gefunden. Sie haben es dem damaligen katholischen Pfarrer Günther Hunold aus Bad Frankenhausen übergeben. Der junge Geistliche interessierte sich sehr für seinen Namenspatron Günther, der ja als Gründer des Klosters Göllingen galt. Pfarrer Hunold sammelte deshalb Literatur über den Heiligen Günther und alles, was mit Kloster Göllingen zu tun hatte. Pfarrer Hunold taufte 1947 den Gründer der Gesellschaft der Freunde der Klosterruine St. Wigbert Göllingen auf den Namen Günther. Nach Kriegsende wurde der Herr Pfarrer versetzt. Da er der Ansicht war, dass die Fragmente am Klosterort bleiben sollten, übergab er dieses der viele Jahre in Göllingen tätigen Allgemein-Ärztin Frau Dr. Elisabeth Pawlowski, die sich u.a. ebenso für den in Göllingen vorhandenen Schatz der alten romanischen Klostergebäude interessierte. Sie war auch die Person, die häufig von diesem besonderen Ort der Kunst und des Klosterlebens ihren Patienten, deren Kindern und insbesondere auch Mitgliedern der katholischen Kirchgemeinde erzählte. Diese Erzählungen banden auch den jungen Günther Chmielus an diese Geschichte. Zum Firmtag übergab Frau Dr. Pawlowski das Fragment an den Schüler Günther, eine Namenspatrongabe. Seitdem befand sich das Stück Stück seiner Obhut und war für ihn Symbol seiner Lebensaufgabe, sich um den Klosterort Göllingen zu kümmern.

Im Zuge der beginnenden aktiven Denkmalpflegearbeit in den 60er Jahren zeigte Günther Chmielus das Fundstück interessierten Menschen und Fachleuten. So auch Herrn Dr. Roland Werner, der damals eine grundlegende wissenschaftliche Arbeit zum Göllinger Klosterturm geschrieben hat, die bis heute Bestand hat. Auch in folgenden Jahren war Herr Chmielus Ansprechpartner für alle am Kloster und am Turm Interessierten. Und allen hat er das schöne Stück gerne gezeigt. 2006 war es zum 1000-jährigen Jubiläum für alle Besucher zu sehen. In dieser Zeit wurde das Stück Stuck auch ordnungsgemäß vom Landesdenkmalamt in sein Verzeichnis übernommen, es blieb aber in der Obhut von Günther Chmielus. 2018 stellte er es als Leihgabe für die Ausstellung zur Klostergeschichte, die ein Mitglied des Fördervereins zusammengestellt hatte, zur Verfügung. Nachdem diese improvisierte Ausstellung im Zuge der Vorbereitungen zur neuen Daueraustellung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten abgebaut worden war, hat er das Stück Stuck wieder bei sich verwahrt.

Obwohl anfangs nicht davon die Rede war, dass gerade dieses Stück Stück Bestandteil der neuen Ausstellung werden sollte, war Günther Chmielus immer dazu bereit, es für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Nie hätte er aber damit gerechnet, dass ihm auf einmal unterstellt werden würde, er hätte das Stück Stuck zusammen mit weiteren Fundstücken widerrechtlich an sich genommen und würde diese den Ausstellungsmachern vorenthalten wollen. Ultimativ wurde er mit harschen Worten schriftlich aufgefordert das Stück Stuck an Mitarbeiter der Stiftung zurückzugeben. Zur Klärung des Sachverhalts hat er sich mit dem zuständigen Landesamt für Denkmalpflege in Verbindung gesetzt. Mit dieser zuständigen Behörde hat er die Übergabe vereinbart. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die ihn noch 2023 mit einem Preis geehrt hatte, hat ihm daraufhin ein Hausverbot für das Klostergelände erteilt: „zum Schutz des Ausstellungsprojekts sowie zur Sicherstellung eines reibungslosen Aufbaus und Ablauf“. Ein starkes Stück! Das hat Günther Chmielus nach vielen Jahren ehrenamtlichen Engagements nicht verdient. Er ist mit der Konzeption und inhaltlichen Ausrichtung der neuen Ausstellung nicht einverstanden und hat sachliche Kritik geübt, sich aber einer Zusammenarbeit nicht verweigert. Eine unkomplizierte Klärung von Missverständnissen wäre leicht möglich gewesen.